bmwe Brühwiler Markus, Weber Erwin
bmweBrühwiler Markus, Weber Erwin

on Tour 2014

Vietnam mit dem Roten

Kollege Weber schätzte in der kalten Jahreszeit schon seit einigen Jahren Touren in Asien und wollte auch Kollege Brühwiler animieren, doch mal in der kalten Winterzeit mitzukommen. Dieser winkte zuerst ab, meinte dann aber so zum Spaß: „O.k. aber nur mit dem Roten“. 

Kollege Weber, Meister seines Metallberufes, dachte sich, sagte sich und halbierte das Tandem fachgerecht. Und siehe da, nun konnte es jeder Flieger quasi als Gepäckstück mitnehmen!

 

Das Land Vietnam war schon vorher auserkoren, da Kollege Weber schon letztes Jahr mit seinem Schulkollegen „Köbi“, auch Schweiz bekannt mit seinem Bauernzirkus, in Vietnam war. Und „Köbi“ meinte, dass eine Vietnam Tour mit dem Tandem ein Volltreffer wäre.

 

Und so sah man sie Ende Februar, an einem Montagabend samt dem Roten im Flughafen Zürich-Kloten einchecken. 

Der Flug ging über Bangkok nach Ho-Chi-Minh-City, dem früheren Saigon. Sie waren kaum durch den Zoll, da erblickten sie auch schon ihr halbiertes Tandem, noch wundervoll verpackt, auf dem Gepäckband liegen.

Kollege Weber hatte meisterlich über Mister Dang Düng seine letztjährigen Beziehungen spielen lassen, so dass wir vom Flughafen professionell abgeholt wurden und zu unserem Startpunkt, in das etwa 200 km von Ho-Chi-Minh-City entfernte Phan Thiết gefahren wurden. 

 

Diese Fahrt, hierzulande nach 20.00Uhr in ca. 2 Stunden erledigt, dauerte in vietnamesischen Verhältnissen schlappe 6 Stunden, sodass die beiden ihr Ziel erst um 3.00Uhr morgens erreichten. Da noch ein klein wenig Betrieb auf den Straßen war, ließen Sie es sich nicht nehmen, ein obligates Begrüßungsbier zu sich zu nehmen…

Im Hotelzimmer von Phan Thiết war bereits Lärm, als Kollege Brühwiler erwachte. Zu seinem Erstaunen erblickte er Kollege Weber, wie er den Roten schon mit viel Liebe und Geschick zusammenschraubte. Danach ging es ab zum Frühstück in „gewohnter Manier“.

 

Doch trotz seiner morgendlichen Schwerstarbeit hatte es Kollege Weber scheinbar den Appetit verschlagen. Denn während Kollege Brühwiler mit Genuss sein morgendliches Frühstück bei einer „vietnamesischen Mammamia“ zu sich nahm, schüttelte Kollege Weber nur ange… den Kopf.

Zu seinem zusätzlichen Verdruss, wie er danach mehrmals betonte, war Kollege Brühwiler links gelaufen, anstatt nach seiner „ausdrücklichen“ Anweisung rechts in Richtung „Stadtmitte“. Dieses Frühstücks Malheur hielt Kollege Weber zum Glück nicht ab, noch die Feineinstellung für den Roten zu machen.

 

Und so sah man die Beiden schon um 10.00Uhr Phan Thiết in Richtung Mũi Né verlassen. 

Verlassen ist gut, denn zuerst mussten sie einen Schnellkursus über das vietnamesische Fahrverhalten (Kreuzungen sind eine ganz besondere Gattung) nehmen. Ein kleiner Videoeindruck...

Kaum hatten die Beiden die Stadt verlassen, erblickte Kollege Weber endlich „sein“ Frühstück, das er sichtlich genoss und ihn wieder auf Vordermann brachte. Der Weg brachte sie noch vor Mũi Né in ein absolut top angelegtes Touristenzentrum, wo auch plötzlich eine Hausbrauerei deutscher Art auftauchte. Der fleißige Leser weiß sicherlich, dass sowas von den Beiden immer ausprobiert wird…und das Bier schmeckte! 

Natürlich dachten sie sich nach diesen Bierchen, dass das die Norm auf ihrem Wege in Vietnam wäre… doch es kam… Mũi Né erreichten sie gegen Abend und sie genossen bei der Einfahrt die große Betriebsamkeit der Menschen links und rechts der Straße. Sie fühlten sich wie bei einer „Tour de France Ankunft“ unter ihnen zujubelnden Menschen! Überhaupt, das Leben schien sich in Vietnam auf der Straße abzuspielen und diese Feststellung begleitete sie auf der ganzen Tour.

In Mũi Né belegten sie ein referenzmäßiges Hotelzimmer mit Blick auf das Meer mit seinen Fischerbooten.

 

Den Abend genossen die Beiden auf einer Art Jahrmarkt und im Trubel der Mũi Né Bevölkerung.

 

 

 

Der Donnerstag brachte sie an die roten Sanddünen 

von Mũi Né, ein absoluter Wunsch von Kollege Brühwiler. Nachdem sie den heißen Sand gespürt hatten, genossen sie ihre erste Kokosnuss in Vietnam und wurden sodann von geschickten Verkäuferinnen zum Kauf von T-Shirts und kurzen Hosen animiert. Der Spaß beim Kauf durfte natürlich nicht fehlen und so zogen sie gut gelaunt Richtung Nordost auf der DT716 entlang, wo sie in absehbarer Zeit eine Bleibe am Meer finden wollten.

 

 

Die Kühe am Wegesrand schienen das Meer genauso gut zu mögen wie die Menschen und die Landschaft zeigte sich von der schönsten Seite. In einem Resort an der Hòn Rơm beach, wo vorwiegend Vietnamesen nächtigten, fanden sie eine Bleibe und legten sich vor dem Hotel in das kühle Meer. Kollege Brühwiler konnte es nicht lassen, mit einigen Jungs Fußball zu spielen und nach einem gediegenen Abendessen stieg die Stimmung im Lokal. Die Vietnamesen waren sichtlich angetan von Bleichgesichtern und dem Roten, denn nach einigen „Runden“ meinten sie,

“you are the best of vietnam“. 

6.00Uhr morgens und viel Lärm. Was ist los? Wau, die ganzen Vietnamesen waren schon auf den Beinen und rund um das Hotel und an der Beach verkauften sie schon geschäftstüchtig Fische, Muscheln und was das Meer so hergibt. So eine Betriebsamkeit frühmorgens hatten die Beiden weder erwartet, noch kannten sie diese. Um 6.00Uhr morgens waren sie „gefühlt“ die letzten, die aufgestanden waren. So war ihnen das Plätzchen dann doch zu hektisch und sie verließen den schönen Ort, um in Ruhe zu frühstücken. Leider hatte sich das Bild vom ersten Radler Tag komplett geändert und die Resort´s wurden baufällig oder waren gar nicht mehr besetzt. So kriegten sie unterwegs kein Frühstück und nur von einem traditionellen Kaffee kriegt man seinen Kohldampf nicht weg.

 

Das änderte sich auch nicht in einem kleinen Dorf, wo sie von einem freundlichen Mönch bedient wurden... In der Morgenhitze hatten die Beiden schon fatamorganische Vorfreuden auf eine bayrische Gartenwirtschaft à la 1.Tag, doch die Wirklichkeit zeigte ihnen ein meditatives Kloster mit stillen, in sich gehenden Ruheplätzen. Der Mönch brachte, was er hatte: Tee und in Zeitungspapier eingewickelter Reiskuchen. Nach einigen Kilometern war im nächsten Dorf ein kleiner Lebensmittelladen, wo sie sich wenigstens mit Früchten eindecken konnten. Dort ging es nicht lange, bis sich das halbe Dorf interessiert um sie scharte und Fragen stellten. Die Beiden beantworteten gerne, in Englisch, in Schweizerdeutsch und mit 3 Wörtern Vietnamesisch. Aber sie schienen sich irgendwie amüsant und mit viel Gestik und Mimik zu verstehen...

 

Danach radelten sie durch eine landschaftlich wunderschöne Gegend, aber der Magen von Kollege Weber machte auf mies, denn er hatte Hunger. Die Kräfte ließen nach, es war heiß und Kollege Weber hielt sich in der brütenden Sonne gerade noch so aufrecht im Sattel. Waren die froh, als sie kurz darauf Chợ Lương Sơn, an der Hauptstrecke von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Hanoi, einigermaßen unversehrt erreichten. Das Hotel war nicht gerade freundlich, aber die Beiden waren erst mal froh über eine Bleibe und mussten sich erst mal nach den Strapazen an der Sonne im kühlen mit einem Kühlen entspannen. Nach heißen Diskussionen und einem Telefon an die allwissende Mammamia vereinbarten sie, dass sie sich am morgigen Samstag eine Zugfahrt nach Phan Rang gönnen werden.

Auch heute war wieder herrliches Wetter. Nach dem Frühstück bestaunten sie ein vietnamesisches Fuhrwerk und machten sich danach auf den Weg zum Bahnhof, der etwa 20km in der entgegengesetzten Richtung entfernt war.

 

Nach einiger Zeit fanden sie tatsächlich den Bahnhof, mussten aber wieder kehrt machen, da hier trotz Bahnhofspersonal kein Zug hielt! Immerhin konnte Kollege Brühwiler im schön gelegenen Bahnhofsklo seine Geschäfte in Ruhe abwickeln. So strampelten sie den ganzen Weg wieder zurück und packten nochmals 10 km drauf bis zum nächsten Bahnhof.

 

Dort gab ihnen der Bahnhofsvorsteher jedoch zu bedenken, dass wohl die Beiden, aber nicht der Rote mit in den Zug darf. Ohne den Roten wollten sie aber keine Zugfahrt machen und so sah man sie wieder auf der verkehrsreichen AH1 Richtung Hanoi strampeln. Da fuhr alles. LKW´s zu Hauf, Autos, Mopeds und auch mal ein Fahrrad. Teilweise wurde auf der zweispurigen Straße dreispurig gefahren und es kam auf der eigenen Straßenseite zu Gegenverkehr vor allem von Mopeds, aber irgendwie und mit Geisterhand ging alles an einander vorbei und es gab keine Unfälle. Es gab so viele Straßenbaustellen, auch weil Vietnam gerade dabei ist, sein Straßennetz richtig tüchtig auszubauen. 

 

In Phan Rí Thành wollten die Beiden diesem Verkehrsstrom entrinnen und Kollege Weber fragte in einer Autowerkstätte in besten schweizerdeutschenglisch, ob jemand sie und den Roten nach Phan Rang fahren würde. Ich sah, wie sie tatsächlich handelseinig wurden und wie sie an diesem Nachmittag noch per Pickup nach Phan Rang fuhren.

 

Die Fahrt war ein Ding der Superlative. Unser Chauffeur war guter Laune, die Musik war laut und wir amüsierten uns an der dreispurigen Fahrweise der Vietnamesen. Knapp wurde es häufig, aber passiert ist nichts. Und die Auto Jux Box des vietnamesischen Besitzers ließ keinen Zweifel an der guten Laune der Insassen, denn sie ließ auch Unerwartetes von sich hören... (siehe Video)

und das inmitten des dampfenden Vietnam Verkehrs auf der Route von Ho Chi Minh nach Hanoi.

 

Kollege Weber riss es fast um. In Phan Rang, an deren wunderschönen Beach, spachtelten sie nach der Fahrt gemeinsam mit „ihrem“ Chauffeur und seinem Sohn ein Mahl mit Fisch und liessen dieses Event gemütlich ausklingen. Das Hotel passte den Beiden und so beschlossen sie, einen Tag länger zu bleiben, die Beach zu geniessen und einen Wäschetag zu machen. Ein pulsierendes Nachtleben ist auch in Phan Rang nicht präsent, … denn das vietnamesische Leben pulsiert wieder ab 6.00Uhr morgens.

 

Ja, es war der Sonntagmorgen, da ging´s für die Beiden zum Frühstück in die Innenstadt von Phan Rang. Und da gab es zu ihrem Erstaunen doch tatsächlich Sandwiches mit dem lange vermissten Brot. Kollege Brühwiler verdrückte gleich 3 von denen und die „Mammamia“, die diese zubereitete, hatte sichtlich Spass am Appetit der Beiden. Danach ging es wieder zum Strand wo sie zur Hafeneinfahrt liefen. Vietnam hat viele Sandstrände, wahrscheinlich hunderte von Kilometern, aber die Fischer geben sich keine Mühe, ihren Strand sauber zu halten. Irgendwie einfach schade.

 

Beim Mittagessen in einem vietnamesischen Lokal erfuhren die Beiden auch, dass die Reste immer unter den Tisch geschmissen werden. Erst nach dem allgemeinen Abmarsch der Kunden wird alles zusammengefegt und gesäubert. Ich glaube, das müssten die Beiden mal zu Hause, ähh…vielleicht doch besser im bayrischen ausprobieren. Der Tag am Strand ging schnell vorbei und so stieg allmählich die Spannung auf die Fahrt zum Hochland von Đà Lạt. 

 

Die Dame von der Rezeption und der Portier verabschiedeten die Beiden standesgemäß von Phan Rang und Kollege Brühwiler lenkte den Roten sicher durch die Innenstadt, selbst eine Umleitung konnte ihn nicht beirren und sie landeten unversehrt auf der Straße nach Đà Lạt. Vor dem Fußballstadion der Stadt gab es endlich den heiß ersehnten Zuckerrohrsaft, den Kollege Weber als Kraftnahrung schon hoch angepriesen hatte. Mit der Kraft von Zuckerrohr und den „hello“ Zurufen der Kinder am Straßenrand fuhren sie über Tân Sơn zum Fuß des Ngoạn Mục Passes nach Đà Lạt …

 

Stärkung hatten sie unterwegs genügend und auch der Zuckerrohrsaft floss ausreichend. Deswegen wohl machten sie sich, obwohl es schon 18.00Uhr war und das Licht auch nicht unbedingt mehr wurde, auf den Weg zur Passspitze. Die Straße hatte viele Baustellen und ab und zu musste Kollege Weber das Tandem verlassen, weil sich sein Darm wieder meldete. Trotzdem konnte er sich eigentlich nicht beklagen, denn er suchte sich für seine „Geschäfte“ immer die schönsten „Plätze“ aus.

 

An der Passstraße inspizierten die Beiden auch eine Baustelle und deren Übernachtungsmöglichkeiten. Die Jungs waren sehr freundlich und irgendwie verstanden sie scheinbar auch die Beiden, obwohl, schweizerdeutsch konnten auch die nicht… Es kam wie es kommen musste, es wurde dunkel und die Passhöhe war noch nicht erreicht. Sie kämpften sich aber weiter und 2 Stunden später erreichten sie um 21.00Uhr den Ngoạn Mục Pass auf ca. 1600m. Der Empfang in der einen Hütte war überwältigend, und der Schnaps wurde mit Hochgenuss probiert und spülte Kollege Webers „Darmleiden“ weg. 

Was das genau war, wussten die Beiden zwar nicht, aber Kollege Weber behauptete Tage später, dass dieser Schnaps ihn buchstäblich „gerettet“ hätte. Denn danach brauchte er keine pharmazeutischen Produkte mehr… Sie fragten in die heitere Schnapsrunde nach einem Hotel, aber es hieß nur: „… immer der Straße nach und in etwa 10 Kilometern…“. 10 km wäre für die beiden auch zu dieser Nachtzeit, ausgerüstet mit zusätzlichen „Nährstoffen“, kein Problem gewesen, nur, der ganze Weg war eine holprige Baustelle und beinhaltete ein zusätzliche Tortur ihrer Hintern...

 

So waren die Beiden froh, als sie endlich Đơn Dương erreichten und dort tatsächlich noch um diese Vormitternachtszeit ein Hotelzimmer fanden. Der Straßenverkauf wurde zu dieser Uhrzeit gerade eingestellt, aber ein Feierabendbier konnten sie sich gerade noch ergattern. So beobachteten sie genüsslich die fleißigen, flinken Hände der Vietnamesinnen und wie sie alles wieder für den morgigen Tag Feng Shui mäßig in Ordnung brachten. Alles „Mammamias“, wie Kollege Weber Kollege Brühwiler in einem Anflug von Begeisterung belehrte.

Gute Nacht!

 

Am heutigen Dienstag waren sie schon eine Woche in Vietnam und sie hatten sich allmählich eingelebt. Einzig ihr Vietnamesisch wurde nicht besser, weil ganz einfach jede Gegend seine eigene Ausdrucksart hatte. So begnügten sie sich mit guten Tag, danke und auf Wiedersehen in Vietnamesisch. In Đơn Dương wollten sie eigentlich über einen weiteren Berg die kürzere Strecke nach Đà Lạt nehmen, verfehlten diese aber und merkten ihren Fehler, obwohl es entgegen aller Kartengesetze immer wohltuend für sie abwärts ging, erst 30 Kilometer später bei einer Routine Standortbesprechung mit Vietnamesen im Irgendwo. Das verleitete natürlich auch Kollege Weber, gegenüber seinem Navigator Brühwiler spitze Bemerkungen zu machen.

 

Sie fuhren also nicht über Xuân Trường nach Đà Lạt, sondern über Hiệp Thanh. (Siehe Video) 

Das hatte zur Folge, dass sie bei Hitze vor allem einige Kilometer, aber auch einige Höhenmeter mehr zu bewältigen hatten. Doch der Zuckerrohrsaft half und half und es war für sie immer ein besonderes Vergnügen, diese Verkaufsstände aufzusuchen. Sie genossen den Zuckerrohrsaft sichtlich, aber ohne die immer angebotenen Eiswürfel. Denn den heilenden Schnaps vom Vortag wird es nicht überall geben... und/oder anders gesagt, es war eine hygienische Vorsichtsmaßnahme der Beiden. In Phường 3 sahen sie in einem für Touristen angelegten Park, wie professionelles Elefantenreiten geht.

 

Der Weltreisende Weber kannte dies schon von vorhergehenden Reisen und so sah man sie bald auf einem dieser Elefanten auf Proberitt. Nun wurde es aber höchste Zeit, Đà Lạt zu erreichen und sie machten sich trotz Hitze auf den Weg. Nach ein paar Schwierigkeiten mit dem Navigieren fanden sie dann doch den richtigen Abzweiger hinauf in das berühmte Hochland. Es ging bergauf und bergauf und sie kamen sich vor wie auf einer Bergetappe an der Tour de France. Dass das „sanfte“ Vietnam vom Meer solche Steigungen zu bieten hatte, das überraschte die Beiden dann doch. 

Aber dank gut getanktem Zuckerrohrsaft erreichten sie, sehr wohl erschöpft, aber glücklich die Stadt Đà Lạt auf ca.1500m.

 

Đà Lạt: da war plötzlich eine riesige, pulsierende Stadt vor ihren Augen, die die Beiden sichtlich in ihren Bann riss. Sie wollten aber nach dieser Kraftanstrengung nur noch eins, ein Hotel finden…

 

Irgendwie wusste Kollege Weber genau, wie hier die Hotelsuche zu handhaben ist. Er stellte sich an einen öffentlichen Platz der Stadt und siehe da, nach kurzer Zeit fragte ihn ein Mann, ob er ein Hotel suchen würde. Und prompt brachte er die Beiden in ein gutes und preiswertes Hotel von Đà Lạt. Da sich der Mann als Guide entpuppte, vereinbarten sie für den nächsten Tag eine Tagestour, um mehr von dieser historischen Gegend und ihren Besonderheiten zu erfahren.

 

Nach einer kleinen, aber verdienten Massage gingen die Beiden zum Nachtessen über. Zu ihrer Überraschung gab es Rahmschnitzel mit Kartoffelmus. So was hatten sie schon länger nicht mehr gegessen und so bestellten sie dieses Essen auch noch zum Dessert. Der Wirt war beeindruckt und zeigte seine Freude beim Bezahlen. Danach erprobten sie das Nachtleben von Đà Lạt in einer Disco. Diese war ihnen aber viel zu laut, so dass sie sich für ihren berühmten Schlummerbecher in ein Bistro zurückzogen… 

 

Der Guide Tag am Mittwoch war sehr erlebnisreich. Mit der Gondelbahn der Stadt zum Thiền Viện Trúc Lâm Park, über eine Autobahn zu den Bauernfeldern und Reisfladenherstellern, zu den Seidenfadenherstellern, das heißt, von der Seidenraupe bis zu den verarbeitenden Maschinen und den handgefertigten Seidenartikeln, zu den Tee- und Kaffeefeldern und dem veredelten Kaffee aus Edelkatzenscheiße, über den lachenden Buddha zu einem absolut sensationellen vietnamesischen Mittagessen, über eine Bergbaustelle zum Palast des Präsidenten und dem Bahnhof von Đà Lạt, über die Blumenplantagen zu den Schuhverkäufern der Stadt, der Guide hatte viel zu bieten, …

 

es war ein Tag der Marke „Grandioso“. Danke Guide! Und, wohin gingen die Beiden abends zum Essen hin? Na wohin denn, na dahin wo es gestern diese super Rahmschnitzel gab…! 

 

Am Donnerstag hieß es Abschied von Đà Lạt zu nehmen und sie wollten an diesem Tag bis Di Linh kommen. Einige Kilometer unterhalb von Đà Lạt nahmen sie in einem Touristenpark ein gutes Frühstück westlicher Art zu sich. Als sie gehen wollten wurden sie auf dem Parkplatz von einer vietnamesischen Touristengruppe in Beschlag genommen und Kollege Brühwiler hatte die schöne Aufgabe, zum Gaudi der anderen, die begeisterten, jungen Damen dieser Gruppe abwechselnd mit dem Tandem rumzufahren.

 

Der Tandem Spaß war auf beiden Seiten eine sichtliche Tagesbereicherung. Und so sah ich die Beiden danach vergnügt den Berg herunterfahren.

Vietnamesische Straßen sind nicht gerade super toll, deswegen mussten die Beiden, entgegen ihrer sonstigen Fahrgewohnheiten, doch ziemlich viel bremsen, um ja kein Schlagloch oder Sonstiges zu erwischen. Sie waren gerade mal 30 Kilometer von Đà Lạt entfernt, als das Quietschen und Knattern am Hinterrad begann. In einer Moped Werkstatt wollte Kollege Weber das Übel beheben, aber es sollte nicht sein und ein neues Kugellager hatten sie nicht dabei. Kollege Weber gab nicht auf und fragte in einem Shop nach dem nächsten Fahrradmechaniker. „So in ca. 10 Kilometern, hieß es, gibt es einen…“.

 

Die Beiden hatten in den Tagen davor dazugelernt und als sie nach etwa 10 Kilometern in eine kleine Stadt kamen, probierten sie es einfach mit Durchfragen. Über drei „Anfragestationen“ gelangten sie wie durch einen Zufall tatsächlich zu einem Fahrradmechaniker …der dortigen High School. Der Glücksbringer der Beiden war ein ehemaliger Schüler dieser Schule und kannte den Meister der Fahrräder. Er machte sich auch gleich zu Werke und nahm die hintere Achse auseinander, holte die Kügelchen raus, schmiss diese weg und verschwand zum Erstaunen der ungläubig dreinblickenden Ausländer…

 

Nach einiger Zeit tauchte er aber wieder auf, hatte neue Kügelchen dabei, setzte diese ein, montierte die Achse wieder zusammen und wollte schon das Rad einsetzen, als der Bann sich von Kollege Weber löste und er sich zu Wort meldete. Die Feineinstellung, klar, die hatte der Meister vergessen. Aber wie wir aus früheren Touren wissen, ist das das ja Spezialgebiet von Kollege Weber, das er auch wie mit einem „sanften Streicheln“ zufrieden ausführte. Danach setzten der Meister und der Weltreisende gemeinsam das Rad ein… und siehe da, es lief und lief und kein Knattern und kein Quietschen mehr. Einfach super! Und das auf einfachste Weise in einfachster Umgebung in einfachster „Werkstatt“ ...! Immerhin hatte genau dieses reparierte Rad High Tech aus der Schweiz in sich, hielt aber keine 200 Kilometer den Straßen von Vietnam stand.

 

Hocherfreut ging es wieder weiter bis sie abends Di Linh erreichten. Auch dort fanden sie schnell eine Unterkunft und beim nächtlichen Spaziergang entdeckte Kollege Weber endlich seine heiß ersehnten, heißen Maiskolben.

 

Nach einem guten Frühstück beim Bäcker um die Ecke hielt es Kollege Weber nicht mehr auf dem Stuhl. Er wollte unbedingt eine Mitfahrgelegenheit nach Phan Thiết finden. So kam es, dass Kollege Brühwiler ihn bald zwischen Autos, bald gestikulierend inmitten einer vietnamesischen Menschentraube sah. Wo ein Ziel, da ein Kollege Weber Weg! Und siehe da, nach geraumer Zeit kam Kollege Weber mit einem Pickup und dessen Fahrer zurück und erläuterte Kollege Brühwiler seine Buchung mit diesem Gefährt über die Höhenstrasse der OL 28 nach Phan Thiết.

 

Die Gegend war teilweise wie ausgestorben, aber atemberaubend. Und die Fahrt auf dieser schmalen Strasse ein Erlebnis à la „Vietnam und nun bleib cool“. Mittags erreichten sie Phan Thiết und verabschiedeten sich von ihrem guten und geschickten Driver. Zu ihrem Glück fanden sie kurz vor Torschluss noch eine Bank, die sie mit sozialistischem Flair für die restlichen Tage mit Vietnam Geld versorgen konnte.

Nach dem Mittagessen fuhren sie noch bis in das Gebiet von Ap Binh Tu, wo sie sich in einem westlichen Resort am Meer zur Erholung einquartieren konnten. Der vorabendliche Spaziergang führte sie dem Strand entlang zu einem Lokal, wo sie kurz ein Bierchen auf das erlebte nehmen wollten. Das ging aber gründlich schief, weil 1. die attraktive Bedienung sehr nett war und 2. reichlich Schlangenschnaps auf ihre Gesundheit zu probieren war.

 

Schlussendlich stellte Kollege Brühwiler als Krönung des aprés Spaziergang Hock´s fest, dass er zu wenig Geld dabei hatte, um zu zahlen. Diesem Umstand hatte Kollege Weber zu verdanken, dass er als Pfand bleiben musste und Kollege Brühwiler bei Dunkelheit den Weg zurück in das Hotel finden musste. Es gelang, und Kollege Brühwiler wäre auch noch schneller zurück gewesen, wenn das Hotel keinen Pool gehabt hätte... Kollege Weber nahm es zum Glück gelassen, zumal seine Umgebung ihn in den Bann der Bewunderung versetzte.

Doch trotz allem Schmäh, ein Getränk konnte er sich erst nach der Ankunft von Kollege Brühwiler wieder rechtmässig bestellen.

 

Top Frühstück am Samstagmorgen und nach einem Badeabstecher in das morgendliche Meer fuhren sie alsbald der Meerstrasse DT 719 entlang bis nach Ward Thuan Quy, Ham Thuan. Unterwegs fiel ihnen ein neu gebautes Resort auf, das mit prächtigen Blumen auf sich aufmerksam machte.

 

Die ideenreiche Erbauerin dieses Resorts war vor ein paar Jahren aus den USA zurückgekehrt und hatte sich dieses Kleinod aufgebaut. Abends fanden sie dann wiederum am Strand in einem Feng Shui Hotel bei Xóm Tram eine Übernachtungsmöglichkeit. Das Hotel war wohl sehr schön, aber sie hatten das Gefühl, dass das Hotel schon bessere Tage erlebt hatte.

 

Abends vesperten sie in einem schönen Lokal am Meer und kriegten das erste Mal wieder was vom aktuellen Weltgeschehen mit. Die Krimkrise war ausgebrochen und ein Flugzeug wurde im südostasiatischen Meer vermisst…

Danach war zum Ausklang des Tages Schlummerbecher mit Jassen angesagt, da Kollege Weber unbedingt bei den Siegen aufholen wollte...

Am nächsten Morgen fuhren sie am ältesten Leuchtturm von Vietnam, dem Hải đăng Kê Gà, vorbei und nahmen Kurs auf La Gi Binh Thuan. Unterwegs erspähte Kollege Brühwiler doch noch eine lang ersehnte vietnamesische Schreinerei, die er sofort besichtigte. Die Leute waren zu den Eindringlingen sehr freundlich und sie schenkten ihnen zur Begrüssung wohlriechenden Tee aus. Großes Staunen war bei den Beiden, dass selbst die älteste Dame am Tisch, geschätzte 90-100 Jahre alt, sich quasi noch so verbiegen konnte wie eine 18-jährige Frau.

 

Von ihren Vorzügen bei dieser Übung wollten die Beiden komischerweise schon gar nicht mehr reden… Der ganze Weg bis La Gi Binh Thuan war nochmals eine Wiederholung des Erlebten. Viele Menschen an den Straßen, Kinder, die den Beiden zuwinkten, die mit den Beiden um die Wette fuhren, mit Stopps zum Zuckerrohrsaft auftanken und natürlich für ihren Mittagsschlaf in der bereits wartenden Hängematte. Auf der Suche nach einem Hotel oder Resort in La Gi Binh Thuan, hielten die Beiden zur Orientierung Rast in einem Straßen Café.

Kollege Brühwiler brachte zur Freude der Mutter dem Sohnemann auf dem Tandem bei, was Geschwindigkeit auf dem Roten heißt. Doch der ließ sich nicht lumpen und drückte seinerseits zur Belustigung der ganzen Schar im „Foyer“ des Straßen Café kräftig in die Pedalen. Im Resort Resort Ba Thật fanden sie dann nach einiger Suchzeit ein Zimmer. Kaum eingecheckt, wurden sie von den Vietnamesen gleich wieder zum Schnaps eingeladen. Hatte sich da was rumgesprochen…

 

Feiernde Jugendliche am Strand, planschende Kinder mit Kleidern im Meer, das alles konnten sie in diesem Resort nochmals 1:1 genießen. Einfach ein pulsierendes, junges Leben, dieses Vietnam. Kollege Weber informierte gleich noch „seinen“ Mister Dang Düng, in welchem Resort sie sich zur morgigen Abholung einquartiert hatten. 

Montag, und die Beiden waren natürlich gespannt, ob das mit der Abholung auch so wie vereinbart klappen würde. Da erblickten sie beim Kaffee schlemmen, wie sie es nannten, eine Schauspielerin mit ihren Regisseur. Es ging nicht lange, dann hatten sie es trotz morgendlicher Stunde gecheckt, die genannten waren für ihre Abholung da.

 

Alles lief perfekt. Die Kartons für das Tandem waren da und Kollege Weber war angesichts der „Schauspielerin“ in Höchstform, um sein Tandem zu zerlegen. Mittlerweile machte Kollege Brühwiler ein paar „VIP Fotos“ mit der Dame. Eine schöne Aufgabe, wie man ihm ansah.

Die Fahrt nach Ho-Chi-Minh-Stadt hatte nochmals viele Eindrücke von den Straßenverhältnissen, dem Leben an der Straße und den abwechslungsreichen Landschaften für sie bereit. Nach einem gemeinsamen Mittagessen erreichten sie gegen Abend den Flughafen von Ho-Chi-Minh-City.

Die Beiden verabschiedeten sich von ihren liebenswürdigen Fahrern und checkten das Tandem und sich selber ein. Als der Flieger Richtung Heimat abhob, sahen sie nochmals auf die leuchtende Ho-Chi-Minh-Stadt und bedankten sich bei diesem freundlichen Volk.

 

Es war bereits Dienstagmorgen, als sie mit der Bahn vom Flughafen Zürich wieder in Wil eintrudelten und von der Tochter des Kollegen Weber abgeholt wurden.

Trotz einiger Falschmeldungen über Kollege Weber, die nur er scheinbar wusste, nahm seine Mammamia ihn in Hatterswil freudig in die Arme.

 

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© Markus Brühwiler